Was macht eine literarische Figur glaubwürdig, vielschichtig und lebendig? Wie entsteht der Eindruck, dass sie ein eigenes Innenleben hat — mit Wünschen, Ängsten, Widersprüchen und einer Geschichte?
In diesem Kurs steht die Entwicklung von Figuren im Mittelpunkt. Gemeinsam gehen wir der Frage nach, was eine Figur im Innersten antreibt: Was wünscht sie sich? Was fürchtet sie? Was glaubt sie über sich selbst? Und wie prägt dieses innere „Warum“ ihr Denken, Fühlen und Handeln?
Außerdem beschäftigen wir uns damit, wie Figuren nicht nur beschrieben, sondern wirklich gezeigt werden können: durch Gesten, Entscheidungen, Sprache und Verhalten. Wie lässt sich Traurigkeit, Wut oder Verliebtheit so darstellen, dass sie für Leser/-innen spürbar wird? Welche Erfahrungen aus der Vergangenheit wirken in eine Figur hinein? Und wie verändert sie sich im Verlauf einer Geschichte? Auch die Frage, wie eine Figur eingeführt werden kann, ohne bei Äußerlichkeiten stehenzubleiben, wird anhand literarischer Beispiele und eigener Schreibversuche erkundet.
In wertschätzender Atmosphäre und ohne Leistungsdruck entwickeln wir Figuren auf unterschiedliche Weise. Die Teilnehmenden interviewen sich gegenseitig in der Rolle ihrer Figur, schreiben Tagebucheinträge aus ihrer Sicht und untersuchen literarische Texte auf ihre Figurenzeichnung hin. Die Kursleitung gibt Einblicke in die eigene Arbeitsweise und stellt verschiedene Zugänge zur Figurenentwicklung vor, die direkt ausprobiert werden können. Wer möchte, kann eigene Texte vorlesen. In der gemeinsamen Besprechung schauen wir darauf, wo eine Figur bereits lebendig wird, was sie zeigt und was noch unter der Oberfläche verborgen bleibt.
Am Ende des Kurses kennen Sie Ihre Figur von innen heraus. Sie wissen, was sie antreibt, was sie schwächt, was sie verbirgt und worin ihr Widerspruch liegt. Sie können Figuren nicht nur entwerfen, sondern auf der Seite lebendig werden lassen. Zugleich nehmen Sie praktische Werkzeuge mit — etwa das Figureninterview, das Figurentagebuch und den bewussten Blick auf Wandel und innere Konflikte —, die Ihnen auch beim Schreiben weiterer Figuren helfen.
Dieses Modul kann einzeln gebucht werden.
Es ist Teil einer Schreibwerkstatt, die im Wintersemester mit Szene, Figur und Konflikt beginnt und im Sommersemester mit Perspektive, Dialog und Überarbeiten fortgesetzt wird. Wer alle sechs Module besucht, durchläuft ein vollständiges Werkstatt-Jahr.
Der Kurs richtet sich an Anfänger/-innen ebenso wie an Fortgeschrittene.
Elke Aybar ist Autorin, Fotografin und Gründerin von “Fuchs & Fadenzauber”. Sie begleitet Menschen dabei, ihre Kreativität zu entdecken und sich durch Schreiben, Fotografieren und textile Kunst auszudrücken.